Blutorange

Wie ihre hellere Verwandte ist auch die Blutorange reich an Vitamin C, Ballaststoffen und Folsäure. Ihre satte, dunkle Färbung sowie ihr besonderes Aroma sind die Folge einer ziemlich gegensätzlichen Mischung: intensive Sonnenstrahlung und niedrige Temperaturen.

Was ist eine Blutorange?

Orangen gehören auch in Deutschland gewiss zu den beliebtesten Obstsorten. Die Blutorange ist mit nur sechs bis zehn Zentimeter Durchmesser in aller Regel etwas kleiner als die herkömmliche Orange. Sie gehört ebenfalls zu den Zitrusfrüchten und wächst an einem kleinen bis mittelgroßen Orangenbaum, der höchstens zehn Meter hoch wird. Seine Zweige sind etwas dünn und mit recht spitzen, biegsamen Dornen besetzt, die in etwa acht Zentimeter lang werden. Die weißen Blüten des „Blutorangenbaums“ duften übrigens sehr intensiv.

Entstanden sind die Blutorangen durch Mutationen diverser Orangensorten. Ihr Geschmack ist speziell und erinnert neben der zu erwartenden Zitrusnote zuweilen ein bisschen an die Himbeere. Ihre Schale ist oftmals erstaunlich fest und hart und daher etwas schwieriger zu entfernen, als dies bei der normalen Orange der Fall ist.

Ist die Schale auffallend glatt, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass die Blutorange reif ist. Lagern sollte man die Früchte höchstens vier Wochen und sie möglichst bei Zimmertemperatur verzehren, da sie in diesem Fall ihren angenehmen Geschmack am besten entfalten. Nachfolgend erfährt man mehr, wie man Orangen richtig lagert.

Woher hat die Blutorange ihren Namen?

Im Sanskrit wurde die Orange einst als „naranga“ bezeichnet. Die Perser machten daraus „nareng“ beziehungsweise „narendsch“ und die Araber wandelten das Wort leicht ab zu „narandsch“. Auf Altprovenzalisch hieß sie im südfranzösischen Raum „auranja“. Das deutsche Substantiv ist nun die Orange, was ganz klar auf ihre Farbe anspielt. Das tiefrote Fruchtfleisch der Blutorange mag die einstigen Namensgeber gewiss an unseren Lebenssaft erinnert haben.

Blutorangen auf einen Teller
Foto von Monika Grabkowska auf Unsplash

Warum ist die Blutorange überhaupt rot?

Die tiefrote Färbung des Fruchtfleisches der Blutorange ist eine Folge von Pflanzenfarbstoffen, den sogenannten Anthocyanen, die tatsächlich in fast allen roten und blauen Früchten enthalten sind und die Zellen schützen sollen. Große Temperaturschwankungen im Augenblick der Reifung sind ursächlich an deren Bildung beteiligt, wobei es nachts bis dicht an den Gefrierpunkt heruntergehen kann.

Reifen Blutorangen bei milderen Wetterlagen, die mit kleineren Tag-Nacht-Schwankungen der Temperatur einhergehen, fällt die Färbung tatsächlich deutlich unscheinbarer aus oder fehlt zuweilen ganz, und die Früchte sind von normalen Orangen kaum zu unterscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen Orange, Blutorange und Pink Grapefruit?

Bei der herkömmliche Orange handelt es sich um einen Hybrid aus Pampelmuse und Mandarine. Auf jeden Fall macht den Hauptunterschied zwischen beiden Orangensorten das intensiv dunkelrote Fruchtfleisch der Blutorange aus. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass sie in unseren Läden nur von Januar bis März zu finden ist.

Die Grapefruit weist äußerlich eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten zur Blutorange auf, wenngleich beide zwei völlig eigenständige Zitrusfrüchte sind. Zwischen den Pink Grapefruits mit ihrem rötlichen Fruchtfleisch und den Blutorangen kommt es durchaus immer wieder zu Verwechslungen. Das ist auch nicht abwegig, ist doch die Blutorange eine Kreuzung zwischen Orange und Pampelmuse, wobei ja die Pampelmuse sozusagen die Mutter von Grapefruit und Pomelo ist. Genauer gesagt ist die Grapefruit selbst eine Hybride aus Pampelmuse und Orange.

Wie dem auch sei, die intensive rote Farbe ist wohl der deutlichste Unterschied zwischen der Blutorange und einer Pink Grapefruit, die ihr rötliches Fruchtfleisch durch sehr hohe Temperaturen bekommt. Man sieht ihr also direkt an, ob sie zu einem geeigneten Zeitpunkt geerntet worden ist.

Ganz anders die Blutorangen, die dann besonders rot werden, wenn es draußen kalt ist. Blutorangen lieben große Temperaturgegensätze, also heiße, sonnige Tage und eiskalte Nächte. Durch die starken und schnellen Temperaturänderungen bildet sich vermehrt der Pflanzenfarbstoff Anthocyane. Wo das möglich ist, darauf gehen wir weiter unten genauer ein.

Woher kommt die Blutorange?

Die Länder am Mittelmeer gelten als Ursprungsregion der Blutorange. Im 15. Jahrhundert kam die ursprüngliche Orange einst von China zunächst nach Portugal. In China gibt es weite Regionen, die der Orange ein eher trockenes und wenig konstantes Klima bieten können. Besonders wohl fühlt sich die Blutorange an den Hängen des Ätna im italienischen Sizilien. Je nach Höhenlage finden sie exakt ihr Lieblingsklima, das durch intensive Sonnenstrahlung und kalte Nächte nahe der Frostgrenze gekennzeichnet sind.

Der Ätna in Sizilien ist die perfekte Umgebung für Blutorangen
Der Ätna in Sizilien ist die perfekte Umgebung für Blutorangen

Dort kommen auch die saftigen Früchte der Sorte Moro her. Gewiss liegt ein Zusammenhang mit dem fruchtbaren Boden aus verwitterter Basalt-Lava vor, die einst rasch fließend aus den Schloten des Vulkans hervorquoll. Auch in Brasilien gibt es große Anbaugebiete für Blutorangen, die dort aber eher zu Saft, Sirup und weiteren Konzentraten verarbeitet werden.

Wie gesund ist die Blutorange?

Die Blutorange enthält sehr viel Vitamin C, das bekannt für seine antioxidative Wirkung ist. Dadurch wird der Körper vor aggressiven freien Radikalen geschützt, das sind chemisch hochgradig reaktive Sauerstoffverbindungen. Das Vitamin hemmt auf diese Weise die Aktivität karzinogener Nitrosamine. Darüber hinaus befördert Vitamin C die Aufnahme von Eisen im Blut, was gerade für Sportler oder schwangere Frauen einen hohen Stellenwert hat. Schon zwei Früchte decken Ihren Tagesbedarf als Erwachsener.

Die reichlich vorhandene Ascorbinsäure unterstützt den Körper dabei, das Hormon Noradrenalin selbst zu synthetisieren. Dieses steuert viele wichtige Stoffwechselprozesse und wird insbesondere dann vermehrt gebraucht, wenn wir eine Diät machen. Die in der Blutorange reichlich enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen wirken zudem Blutdruck regulierend.

Durch Anritzen oder Pressung der Schalen kann von Blutorangen außerdem wertvolles ätherisches Öl gewonnen werden. Die oben erwähnten Farbstoffe namens Anthocyane wirken entzündungshemmend und verringern das Krebsrisiko. Wir hatten schon angedeutet, dass sich die Pflanze selbst damit schützt.

Die Inhaltsstoffe dieser Zitrusfrüchte sorgen sogar für schönes, glänzendes Haar und eine gesunde, junge Haut. Das aus der Schale gewonnene ätherische Öl ist dafür bekannt, dass es Stimmungstiefs aufhellen kann, und wird daher sogar gegen Depressionen eingesetzt. Nicht umsonst ist die Blutorange bei fast allen Menschen an trüben, kalten Wintertagen sehr beliebt.

Vielseitige Verwendung

So werden die Schalen der Blutorangen schon lange zum Aromatisieren verwendet, das heißt, dem Geschmack dieser Frucht begegnen wir allenthalben zum Beispiel bei süßem Gebäck, im Kuchen, auf Torten und in der Eiscreme, aber auch in Salaten und sogar in pikanten Gerichten. Kandierte Schalen von Blutorangen werden als süßer Snack dargereicht.

Auch für einen leckeren Cocktail eignen sich Blutorangen wunderbar.

Die Parfüm-Industrie kennt sie schon lange, die Schalen und damit die ätherischen Öle der Blutorange. Getrocknet werden sie, so auch die Blüten, gern für die Zubereitung von Tees, Cremes oder Badesalz verwendet.