Rosé Orange

Wer zum ersten Mal eine Rosé Orange aufschneidet, erlebt einen kleinen Wow-Moment. Unter der gewöhnlich wirkenden orangefarbenen Schale verbirgt sich ein Fruchtfleisch von leuchtend rosa bis rötlicher Färbung. Diese außergewöhnliche Zitrusfrucht erobert seit einigen Jahren die Herzen von Obstliebhabern weltweit und gilt als echter Geheimtipp unter Feinschmeckern.

Was macht diese besondere Orange so einzigartig? Die Rosé Orange verdankt ihre charakteristische Färbung nicht etwa einer Züchtung im Labor. Sie entstand als natürliche Mutation und begeistert durch ein Geschmacksprofil, das an Himbeeren, Kirschen und Rosenblüten erinnert. Ein Erlebnis für alle Sinne, das den Obstkorb in ein kleines Abenteuer verwandelt.

Was ist die Rosé Orange?

Tatsächlich ist die Rosé Orange keine eigene Orangen-Sorte sondern vielmehr ein Überbegriff für verschiedene Lycopen-Orangen. Eine Lycopin-Orange wiederum ist eine spezielle Orange, deren Fruchtfleisch durch den Pflanzenstoff Lycopin eine rosa bis rote Farbe hat. Sie erinnert deshalb vom Inneren ein bisschen an eine pinke Grapefruit. Der hohe Lycopin-Gehalt macht sie zudem zu eine noch gesünderen Alternative zu herkömmliche Orangen.

Ganz groß steht es drauf: Rosé Orange - Darin ist aber die Orangensorte Cara Cara
Ganz groß steht es drauf: Rosé Orange - Darin ist aber die Orangensorte Cara Cara

Der Begriff der Rosé Orange geht auf den deutschen Großhändler für Obst und Gemüse Lloombart zurück. Laut der Webseite des Händlers umfasst er unter dem Begriff der Rosé Orange aktuell die Sorten Cara Cara, Kirkwood, (Red Lina coming soon) und die Marken Pretty in Pink, La Vie en Rose, SONNENKINDER und Bici Bio. Nach eigenen Angaben versucht man auf eigenen Versuchsfeldern kontinuierlich an neuen Anbaumethoden und Sorte zu forschen. Auf freshplaza.de wird Lloombart zitiert:

"Dies ist Teil unserer langfristigen Strategie, ein 12-Monats-Angebot an hochwertigen Zitrusfrüchten zu schaffen und den Markt für Lycopen-Orangen zu revolutionieren."

Die wichtigsten Rosé Orange Sorten im Überblick

Nachfolgend eine kurze Aufführung der bekanntesten Rosé Orange Sorten:

Cara Cara: Die Königin der Rosé Orangen

Manche nennen sie die Königin der Orangen. Die Cara Cara besticht durch ihr rötlich-rosa Fruchtfleisch und einen Geschmack, der süßer und weniger sauer ausfällt als bei herkömmlichen Navel-Orangen. Das Aroma erinnert an eine Mischung aus klassischer Orange, roten Beeren und subtilen Blütennoten. Kernlos und leicht zu schälen, eignet sie sich perfekt zum direkten Verzehr. Erfahre hier mehr zur Cara Cara Orange.

Die Orangensorte Cara Cara ist die bekannteste Rose Orange
Die Orangensorte Cara Cara ist die bekannteste Rosé Orange

Kirkwood: Die stabile Alternative

Ursprünglich aus Südafrika stammend, hat sich die Kirkwood als äußerst robuste Rosé-Orangensorte etabliert. Sie startet etwas später in die Saison (ab Januar) als die Cara Cara (schon ab Dezember) und zeichnet sich durch ihre Anbausicherheit aus. In Spanien gewinnt diese Sorte zunehmend an Bedeutung für den kommerziellen Anbau.

Red Lina: Der Newcomer

Als Frühsorte ergänzt Red Lina seit kurzem das Sortiment der Rosé Orangen im Mittelmeerraum. In Kooperation mit dem spanischen Lizenzgeber Citrus Rosso wird diese Sorte seit 2023 exklusiv angebaut. Plantagen in Huelva, Sevilla und Valencia liefern die ersten Ernten dieser vielversprechenden Varietät.

Das Geheimnis der rosa Farbe

Was verleiht der Rosé Orange ihre ungewöhnliche Färbung? Hier zeigt sich ein faszinierender Unterschied zur Blutorange. Während Blutorangen ihre tiefrote Farbe den Anthocyanen verdanken, entsteht die zarte rosa bis rötliche Tönung der Rosé Orange durch einen anderen sekundären Pflanzenstoff: Lycopin.

Cara Cara Orange im Vergleich zu Navelina und Moro
Von links nach rechts: Navelina, Cara Cara, Moro Blutorange. Man sieht, wie die Rosé Orange Cara Cara aus den drei Orangen heraussticht.

Lycopin gehört zur Familie der Carotinoide und gibt auch Tomaten, Wassermelonen und pink Grapefruits ihre charakteristische Farbe. Dieser natürliche Farbstoff fungiert gleichzeitig als kraftvolles Antioxidans im menschlichen Körper.

So gilt Lycopin als eines der stärksten Antioxidantien unter den Carotinoiden. Laboruntersuchungen zeigen, dass seine antioxidative Wirkung etwa doppelt so stark ausfällt wie die von Beta-Carotin und zehnmal so stark wie die von Vitamin E. Im Körper kann Lycopin freie Radikale neutralisieren, die durch UV-Strahlung oder Stoffwechselprozesse entstehen und Zellschäden verursachen können.

Gesundheitliche Vorzüge der Rosé Orange

Die Rosé Orange übertrifft ihre orangefarbene Verwandte in einigen Bereichen deutlich. Cara Cara Orangen enthalten rund 20 Prozent mehr Vitamin C und 30 Prozent mehr Vitamin A als gewöhnliche Navel-Orangen. Dazu kommen Ballaststoffe, Folsäure und Kalium. Der niedrigere Säuregehalt macht sie auch für empfindliche Mägen bekömmlicher.

Einige wissenschaftliche Beobachtungsstudien deuten auf verschiedene positive Effekte eines lycopinreichen Ernährungsstils hin. Untersucht werden mögliche Zusammenhänge mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit, dem Cholesterinspiegel sowie dem Schutz der Haut vor UV-Strahlung. Wichtig dabei: Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass für isoliertes Lycopin als Nahrungsergänzungsmittel keine dieser Wirkungen wissenschaftlich belegt ist. Die positiven Effekte zeigen sich am ehesten beim Verzehr lycopinhaltiger Lebensmittel im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung.

Ein interessantes Detail für die Zubereitung: Lycopin ist fettlöslich. Der Körper nimmt es besser auf, wenn gleichzeitig etwas Fett verzehrt wird. Ein Spritzer Olivenöl im Obstsalat oder ein Stück Käse zur Rosé Orange steigert die Bioverfügbarkeit dieses wertvollen Pflanzenstoffs erheblich.

Geschmack und Aroma

Die Rosé Orange überrascht mit einem komplexen Geschmacksprofil, das weit über das klassische Orangenaroma hinausgeht. Kenner beschreiben Noten von Himbeeren, Brombeeren, Cranberrys und Kirschen, unterlegt von subtilen Rosenblütenanklängen. Gleichzeitig bleibt der typische Zitruscharakter erhalten, allerdings mit weniger Säure und mehr natürlicher Süße. Diese geschmackliche Vielfalt entsteht vermutlich durch das Zusammenspiel verschiedener aromatischer Verbindungen, die mit dem Lycopin-Gehalt in Zusammenhang stehen.

Ein praktischer Vorteil der Cara Cara und verwandter Sorten: Sie sind nahezu kernlos. Das macht sie besonders geeignet für den direkten Verzehr, für Kinderteller oder für die Verarbeitung in der Küche. Das Fruchtfleisch präsentiert sich saftig und fest zugleich, mit wenig bis gar keinem weißen Mark zwischen den Segmenten.

Verwendung

Die einfachste Art, eine Rosé Orange zu genießen: aufschneiden und direkt essen. Die leuchtende Farbe macht die Frucht zu einem optischen Highlight auf jedem Frühstückstisch. Anders als normale Navel-Orangen eignet sich die Cara Cara auch hervorragend zum Entsaften. Der Saft enthält kein Limonin im Fruchtfleisch, wodurch er nicht bitter wird, wenn er mit Sauerstoff in Kontakt kommt.

Die Vielseitigkeit der Rosé Orange eröffnet zahlreiche kulinarische Möglichkeiten. In Salaten bringen die farbenfrohen Segmente nicht nur Geschmack, sondern auch visuelle Akzente. Als Zutat für Salsas ergänzt sie hervorragend Geflügel- oder Fischgerichte. Desserts, Smoothies und Cocktails wie Mimosas oder Margaritas profitieren von der besonderen Süße und dem beerigen Unterton. Selbst Schokoladenfondue harmoniert überraschend gut mit diesem Geschmacksprofil.

Wer die Rosé Orange auch außerhalb der Saison genießen möchte, kann den frisch gepressten Saft einfrieren. In luftdichten Behältern hält er sich etwa sechs Monate. Auch für Marmeladen, aromatisierte Öle und Sirups eignen sich Saft und Schale dieser besonderen Zitrusfrucht. Hier findest du darüber hinaus weitere Möglichkeiten zur Verwendung von Orangen

Einkauf und Lagerung

Beim Einkauf von Rosé Orangen gelten ähnliche Kriterien wie bei anderen Zitrusfrüchten: Die Schale sollte glatt und glänzend sein, ohne Druckstellen oder weiche Bereiche. Eine schwere Frucht deutet auf Saftreichtum hin. Die äußere Farbe verrät übrigens nichts über das innere Geheimnis, denn von außen sieht die Rosé Orange einer gewöhnlichen Navel-Orange zum Verwechseln ähnlich.

Die Hauptsaison der Rosé Orangen erstreckt sich von Dezember bis Februar, wobei manche Sorten bis April verfügbar bleiben. In dieser Zeit stammen die Früchte hauptsächlich aus Spanien, Kalifornien und Südafrika. Während der spanischen Saison besteht kaum Konkurrenz aus anderen Anbauregionen. Aktuell werden jährlich schätzungsweise nicht mehr als 2.000 Tonnen dieser besonderen Früchte gehandelt.

An einem kühlen, trockenen Ort halten Rosé Orangen ihre Frische etwa zwei Wochen. Im Kühlschrank verlängert sich die Haltbarkeit, allerdings können Geschmack und Aroma darunter leiden. Wie bei allen Zitrusfrüchten gilt: Regelmäßig auf Schimmelbefall kontrollieren und betroffene Exemplare sofort entfernen, da sich Schimmel schnell ausbreiten kann. Erfahre hier weitere Tipps und Tricks zum Thema Orangen richtig lagern

Abgrenzung zur Blutorange

Rosé Orange und Blutorange mögen auf den ersten Blick ähnlich erscheinen, doch die Unterschiede sind beträchtlich. Die Blutorange verdankt ihre tiefrote bis violette Färbung den Anthocyanen, die sich besonders bei starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht bilden. Ihre Farbe kann streifig oder fleckig ausfallen, ähnlich wie bei Batik-Stoffen.

Die Blutorange (rechts) hat ein deutlich dunkleres Fruchtfleisch als die Rosé Orange (links)
Die Blutorange (rechts) hat ein deutlich dunkleres Fruchtfleisch als die Rosé Orange (links)

Die Rosé Orange hingegen zeigt eine gleichmäßigere, sanftere Färbung durch das Lycopin. Ihr Geschmack tendiert in eine beerig-blumige Richtung, während Blutorangen eher herb-würzige Noten aufweisen. Auch die Schale unterscheidet sich: Blutorangen zeigen oft eine rötliche Tönung außen, während Rosé Orangen von außen kaum von normalen Orangen zu unterscheiden sind.

Fazit: Eine Frucht mit Zukunft

Die Rosé Orange vereint optische Attraktivität, geschmackliche Raffinesse und ernährungsphysiologische Vorzüge in einer einzigen Frucht. Ihr hoher Lycopin-Gehalt, das außergewöhnliche Aroma und die steigende Verfügbarkeit machen sie zu einer spannenden Bereicherung für jeden Obstkorb.

Wer bisher nur gewöhnliche Orangen kannte, sollte sich in der Winterzeit unbedingt auf die Suche nach Cara Cara, Kirkwood oder Red Lina begeben. Das rosa Geheimnis unter der orangefarbenen Schale verspricht ein Genusserlebnis, das den Blick auf Zitrusfrüchte nachhaltig verändern kann. Eine kleine Entdeckungsreise, die sich lohnt.